Eine wilde Woche: Iran-Eskalation treibt Brent auf über $110, der Vessel-Traffic durch die Hormuz-Straße kollabiert auf minus 95%, die Fed hält die Zinsen stabil und sagt offen — keine Cuts mehr 2026. Und trotzdem schafft der S&P 500 fünf Gewinnerwochen in Folge mit einem April-Plus von +10%.

Wie passt das zusammen? Meine vollständige Einordnung der KW18 — mit Depot-Zahlen, Top-Performern, Underperformern und dem Ausblick auf die kommenden Wochen.

$110+ Brent Crude (KW18-Spitze)
−95% Hormuz Vessel-Traffic YoY
+10% S&P 500 April 2026
432€ Dividenden diese Woche

1. Geopolitik: Hormuz-Vessel-Traffic −95% — was das wirklich bedeutet

Der Vessel-Traffic durch die Hormuz-Straße ist in KW18 auf nur noch 5% des Vorjahresniveaus gefallen. Das klingt abstrakt — ist es aber nicht: Täglich passieren normalerweise 21 Millionen Barrel Öl plus rund 30% des weltweiten LNG-Handels die Meerenge. Wenn dieser Korridor auch nur zu 50% blockiert ist, reagiert der Markt sofort.

Die Iran-Eskalation in KW18 war der bisher schärfste Stimulus für Tankerraten seit Jahrzehnten:

Einordnung: Wer jetzt noch nicht in Tankeraktien investiert ist, sollte auf den nächsten Pullback warten — der strukturelle Thesis ist intakt. Für bestehende Positionen gilt: Halten. Die Kombination aus Hormuz-Krise und strukturell knappem Tanker-Angebot (kaum Neubestellungen wegen Unsicherheit über Brennstoff-Regulierung) ergibt einen langen Zyklus.

2. Fed-Entscheidung: Powell sagt klar — keine Cuts 2026

Die FOMC-Sitzung Anfang Mai brachte keine Überraschung beim Leitzins — stabil bei 5,25–5,5% (oder je nach Quelle 3,5–3,75% nach den vorangegangenen Senkungen). Was aber neu und klar kommuniziert wurde: keine weiteren Zinssenkungen in 2026.

Powells Statement in der Pressekonferenz:

Was bedeutet das für mein Portfolio? Positiv für Hard Assets, negativ für REITs. Höhere Zinsen längerfristig bedeuten niedrigere Bewertungsmultiplikatoren bei zinssensitiven Sektoren — und stärkere Cashflow-Generierung bei verschuldungsarmen Energie- und Shipping-Positionen.

Marktreaktion auf Fed-Entscheidung

10-jährige US-Anleiherendite blieb bei 4,18% (leicht geändert). Gold leicht schwächer (−2% Woche). REITs unter Druck. Energie und Shipping outperformen deutlich. S&P 500 trotzdem +10% für den Monat April — getrieben von Tech-Earnings-Beats und Mega-Cap-KI-Infrastruktur-Story.

3. S&P 500 +10% April — wie passt das zur Iran-Krise?

Diese Frage stellt sich jeder, der die Geopolitik verfolgt: Wie kann der US-Leitindex im April +10% schaffen, wenn gleichzeitig Hormuz fast geschlossen ist und die Fed keine Cuts signalisiert?

Die Antwort liegt in der Sektorstruktur des S&P 500. Technologie und KI-Infrastruktur machen über 30% des Index aus. Die Earnings-Saison war extrem stark:

Der S&P 500 ist eben nicht der S&P 500 von 1990. Wer auf Basis von Geopolitik short geht, verärmt sich. Das heißt nicht, dass keine Korrekturen kommen — aber als Macro-Baseline muss ich das akzeptieren.

4. Top-Performer KW18: FLEX LNG, TORM, BW LPG

Meine größten Gewinner in KW18:

FLEX LNG (FLNG)

LNG-Tanker-Betreiber profitiert massiv von Hormuz-Umwegen. Cape-Routen statt Hormuz-Passage verlängern jede Reise um 30–45 Tage — bei gleicher Flottengröße bedeutet das strukturell weniger Kapazität und höhere Raten. FLEX LNG hat außerdem eine starke Time-Charter-Abdeckung, die die Cashflow-Sichtbarkeit maximiert. Dividende solide und nach aktuellem Kurs attraktiv.

TORM (TRMD) — Ex-Div 22. Mai: $77 brutto

TORM als Product-Tanker-Spezialist profitiert doppelt: höhere Spot-Raten durch Hormuz-Engpass und steigende Nachfrage nach raffinierten Produkten (Benzin, Diesel, Jet Fuel) auf langen Routen. Ex-Div am 22. Mai: $77 brutto — das ist ein signifikanter absoluter Betrag. Meine Position bleibt bis nach dem Ex-Div-Datum.

BW LPG (BWLPG)

LPG-Tanker als oft übersehener Teil des Shipping-Universums. Flüssiggas (Propan, Butan) aus dem Nahen Osten läuft ebenfalls über Hormuz. Umwege treiben Raten. BW LPG hat zudem sein Downstream-Geschäft ausgebaut, was die Margen-Stabilität erhöht.

5. Underperformer: REITs unter Higher-for-Longer-Druck

Das andere Gesicht der Woche: REITs litten. MPW (Medical Properties Trust), Realty Income (O) und W.P. Carey (WPC) alle unter Druck, weil der Markt Higher-for-Longer-Zinsen einpreist.

Der Mechanismus ist direkt:

Risiko-Hinweis REITs: Ich halte meine REIT-Positionen (MPW, O), reduziere aber nicht nach. Die Dividenden sind gesichert, und bei einer eventuellen Zinsnormalisierung ab 2027 werden REITs die Ersten sein, die stark erholen. Das ist ein Geduldssspiel — nicht ein Liquidierungsfall.

6. Mein Depot-Update KW18 — 432€ Dividenden

Diese Woche flossen 432€ Dividenden in mein Portfolio. Konkrete Ex-Div-Termine der nächsten Wochen, die ich im Blick habe:

Portfolio-Stand Ende KW18: Härte Hard Assets als Anker halten das Portfolio stabil. Energie + Shipping als direkte Nutznießer der Geopolitik outperformen. Der REIT-Anteil dämpft etwas — bleibt aber strategisch wichtig für den Höchststand des Zinsumfelds.

Novo Nordisk & MPW — jetzt startet die Pharma- & REIT-Serie

KW18 markiert den Start zweier neuer Serien auf dem Kanal: Pharma (Novo Nordisk, Bayer, Pfizer) und REITs (MPW, STAG, IRM). Die ersten beiden Analysen sind bereits online.

MPW REIT-Analyse →

7. Ausblick KW19: Novo Nordisk Q1, BP, ENI, Equinor Earnings

Die kommende Woche (KW19, 4.–10. Mai) bringt eine volle Earnings-Wand aus meinen Depot-Positionen:

Marco Bozem – MB Capital Strategies
Marco Bozem – MB Capital Strategies

Investor mit Fokus auf Hard Assets, Dividenden & Cashflow. Shipping, Mining, Energie, Pipelines, REITs. Eigenes High-Yield-Depot, monatliche Depot-Updates auf YouTube.

Rechtlicher Hinweis: Dieser Artikel dient ausschließlich Informations- und Bildungszwecken. Er stellt keine Anlageberatung, Anlageempfehlung oder Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren dar. Alle Angaben ohne Gewähr.