FOMC Juni 2026: Zinsen bleiben bei 3,50–3,75% — was bedeutet das für mein Depot?
16.–17. Juni 2026: Die Fed trifft sich. Die Markterwartung ist klar — 98,3% Hold-Wahrscheinlichkeit laut CME FedWatch. Kein großer Überraschungsmoment also. Aber der Zinsausblick für den Rest des Jahres hat sich massiv verändert. Und das trifft manche meiner Positionen anders als andere.
⚡ Die nackten Fakten zum FOMC Juni 2026
Das ist der Kernbefund, von dem aus alles andere abgeleitet wird. Real-Zinsen von rund -0,7% — also Leitzins minus CPI — befinden sich im negativen Bereich. Das klingt locker, ist aber im historischen Vergleich für eine Phase mit 4,2% Inflation eigentlich noch zu wenig Restriktion.
FAKT Fed-Chef Kevin Warsh hat sich seit seinem Amtsantritt als hawkish positioniert. Keine Signale Richtung Lockerung, solange die Inflation nicht klar unter 3% fällt. Die Median-Projektion des FOMC (dot plot) zeigt nur noch eine einzige Zinssenkung für 2026 — zu Jahresbeginn hatte der Markt noch drei bis vier Cuts erwartet. Diese Neukalibrierung ist der eigentliche Story, nicht der Hold im Juni.
| Fed Funds Rate (aktuell) | 3,50–3,75% |
| US CPI Mai 2026 | 4,2% YoY |
| Hold-Wahrscheinlichkeit Juni | 98,3% (CME FedWatch) |
| Median FOMC-Projektion Cuts 2026 | 1 Senkung |
| Fed-Chef-Tonalität | Hawkish |
🏦 Was das für REITs bedeutet — und warum ich da vorsichtig bin
REITs haben ein strukturelles Problem in einem Umfeld mit hohen Zinsen: Ihr Geschäftsmodell basiert auf Fremdkapital. Ein REIT kauft Immobilien, finanziert sie zu einem großen Teil mit Schulden, und verdient an der Spanne zwischen Mietrendite und Kapitalkosten. Wenn die Refinanzierungskosten steigen oder hoch bleiben, sinkt diese Spanne — direkt.
FAKT Realty Income (O) hat eine Dividendenrendite von aktuell rund 5,6% (Stand: Q2 2026). Bei einem Zins von 3,75% für US-Treasuries wird die Risikoprämie gegenüber risikofreien Anleihen für viele institutionelle Investoren dünn. Das drückt auf die Bewertung — nicht auf den Cashflow selbst, aber auf den Aktienkurs.
MEINE THESE REITs wie Realty Income oder Medical Properties Trust (MPW) sind klassische Zins-Plays. Solange der Markt keine mehrfachen Cuts einpreist, bleibt Gegenwind durch Bewertungsdruck. Das bedeutet nicht, dass die Dividenden unsicher sind — aber das Aufwärtspotenzial im Kurs ist begrenzt, bis die Fed tatsächlich lockert.
Ähnliches gilt für Infrastruktur-Positionen wie TC Energy (TRP) oder National Grid (NGG): Beide haben erhebliche Schulden und verdienen in regulierten Märkten. Die Cashflows sind stabil, aber die Bewertungsmultiplikatoren bleiben unter Druck. Ich halte diese Positionen — aber ich baue sie in diesem Zinsumfeld nicht aggressiv aus.
🚢 Der kontraintuitive Vorteil: Shipping & Mining bei hohen Zinsen
Hier wird es interessant — und das ist der Punkt, den viele Zinsdiskussionen komplett ignorieren.
MEINE THESE Hard-Asset-Dividenden aus Shipping und Mining sind strukturell nicht zinssensitiv wie REITs. Der Unterschied liegt im Cashflow-Modell. Ein Tanker oder ein Bulk-Carrier verdient sein Geld aus Frachtraten, nicht aus Zinsdifferenzen. Wenn LNG-Nachfrage aus Asien steigt, steigt die Rate — unabhängig davon, was Jerome Powell oder Kevin Warsh gerade sagt.
Konkret: CMB.Tech, FLEX LNG, TORM oder Dorian LPG — diese Unternehmen generieren ihren freien Cashflow aus dem operativen Geschäft. Frachtraten, Auslastung, Vertragslaufzeiten. Das sind die Treiber, nicht der Fed Funds Rate. Klar, höhere Zinsen erhöhen auch deren Refinanzierungskosten, wenn Schulden fällig werden. Aber viele Shipping-Unternehmen arbeiten mit deutlich weniger Leverage als REITs — und einige haben sogar Netto-Cash-Positionen.
FAKT Das Shipping-Segment macht den Kern meines Depots aus — CMB.Tech ist mit ca. 3,7% die größte öffentliche Position (Parqet, Trade Republic + Scalable Capital, Stand Mai 2026). Diese Positionierung ist bewusst: Ich will Dividendenerträge, die von makroökonomischen Zinszyklen entkoppelt sind.
Das Gleiche gilt für Mining. Thungela Resources zahlt Dividende aus Kohle-Cashflows, nicht aus fremdfinanzierten Immobilienbeständen. Wenn der Kohlepreis fällt, leidet die Dividende — aber nicht wegen der Fed. Und Ressourcen-Superzyklus-Argumente sprechen eher für strukturell höhere Rohstoffpreise über dieses Jahrzehnt, nicht dagegen.
📊 Was ich konkret beobachte — und was ich tue
Zinssensitive Positionen (REITs, Pipelines) lasse ich aktuell bei Kursrückgängen liegen, statt aggressiv nachzukaufen. Der Bewertungsdruck bleibt, solange die Fed nicht signalisiert, dass mehrere Cuts kommen. Einer reicht nicht.
Beim Hard-Asset-Block — Shipping, Mining, Energie-Royalties — sehe ich das anders. Hier würde ich Schwäche eher als Nachkauf-Gelegenheit sehen, weil der Zinskanal weniger relevant ist. Die Frage ist: Wie entwickeln sich Frachtraten, LNG-Nachfrage, Kohlemarkt? Das sind die Variablen, die ich beobachte.
WATCH Das Risiko für mein Depot im aktuellen Umfeld ist nicht direkt der Leitzins — es ist ein echter Nachfrageeinbruch. Wenn die US-Wirtschaft in eine Rezession abgleitet (aktuell kein Basisfall, aber möglich bei anhaltend hohen Zinsen), würden Frachtraten leiden. Das wäre ein Risiko, das direkt auf Shipping-Cashflows durchschlägt. Den Zins selbst fürchte ich weniger als einen echten Wirtschaftsabschwung.
Für den FOMC-Entscheid am 17. Juni erwarte ich: Hold, hawkish Statement, keine neuen Signale zu Cuts. Der Markt hat das schon eingepreist. Was ihn überraschen könnte: Ein deutlich softerer Ton — oder das Gegenteil, ein harter Hinweis, dass 2026 gar keine Senkung kommt. Beides würde Volatilität erzeugen, die ich nutzen will.
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❓ FAQ: FOMC Juni 2026 — häufige Fragen
Wird die Fed beim FOMC-Treffen im Juni 2026 die Zinsen senken?
Nein. Der Markt preist mit 98,3% Wahrscheinlichkeit eine Zinspause ein. Der CPI liegt bei 4,2% — zu hoch für Lockerungen.
Warum sind Shipping-Dividenden weniger zinssensitiv als REIT-Dividenden?
REITs refinanzieren Schulden — höhere Zinsen erhöhen direkt ihre Kapitalkosten. Shipping-Cashflows kommen aus Frachtraten, die von globaler Nachfrage getrieben werden, nicht vom Leitzins.
Wann senkt die Fed die Zinsen wieder?
Die Median-Projektion des FOMC sieht nur noch eine Senkung für 2026 vor. Frühestens Q4 2026, wenn die Inflation klar unter 3% fällt.
Marco Bozem
Unabhängiger Investor mit Fokus auf Hard Assets, Dividendenaktien und Cashflow-getriebene Strategien. Shipping, Mining, Energie und Pipelines. Investiere seit Jahren in reale Werte — keine Anlageberatung, nur mein persönlicher Blick auf die Märkte. Mehr über Marco →
