Kurz erklärt: Was ist die Kupfer-Angebotslücke 2035? Die Internationale Energieagentur (IEA) rechnet damit, dass die heute bekannten und in Bau befindlichen Minenprojekte nur rund 70 % der globalen Kupfer-Nachfrage im Jahr 2035 decken — es fehlen also rund 30 % (ca. 7,4 Millionen Tonnen laut S&P Global). Treiber: E-Autos brauchen rund 3-mal so viel Kupfer wie Verbrenner, Stromnetze und KI-Rechenzentren erhöhen den Bedarf zusätzlich. Das Problem lässt sich nicht kurzfristig lösen: Von der Entdeckung einer neuen Mine bis zur ersten Tonne Kupfer dauert es im Schnitt 17,9 Jahre (S&P Global 2024). Das ist kein Preisziel — es ist eine Mengenbilanz. Keine Anlageberatung.
Veröffentlicht: 18. Juli 2026 | Autor: Marco Bozem | Quelle: IEA, S&P Global, USGS, BHP Insights, Wood Mackenzie
Dreißig Prozent. So viel von der Kupfermenge, die die Welt 2035 braucht, ist heute schlicht nicht gedeckt — nicht gebaut, nicht genehmigt, nicht mal entdeckt. Das ist keine Meinung aus einem Bullen-Report, das ist die Rechnung der Internationalen Energieagentur (IEA), gemessen an allen Minenprojekten, die aktuell in der Pipeline stecken.
Das Problem lässt sich nicht mit Geld lösen. Selbst wenn der Kupferpreis morgen durch die Decke geht — eine neue Mine steht trotzdem erst in fast 18 Jahren. Nachfrage und Angebot laufen auseinander, und dieser Artikel erklärt Schritt für Schritt, warum. Außerdem zeige ich, wie ich selbst mit sieben kupfer-nahen Positionen in diesen Zyklus investiert bin — mit echten Zahlen aus meinem Depot, Gewinnern und einem ehrlichen Minus.
Ich habe diese Analyse auch als Video aufgenommen — mit Charts, meinem Depot live auf Parqet und den M&A-Details:
Kupfer ist das Metall, das Strom transportiert. Kein anderes bezahlbares Material leitet so gut. Und die Welt, in die wir gerade hineinlaufen, ist eine Welt aus Strom.
Ein Verbrenner steckt rund 23 kg Kupfer drin — Kabelbaum, Motor, Elektronik. Ein reines Batterie-Elektroauto? Rund 80 kg. Das ist grob dreimal so viel Kupfer je Fahrzeug (Quelle: Copper Development Association / International Copper Association via Incorrys; S&P-Daten). Und das Auto ist nur ein Baustein.
Vier Nachfrage-Keile ziehen gleichzeitig nach oben:
Das Ergebnis: Die großen Häuser rechnen mit rund 2 bis 2,5 % Nachfragewachstum pro Jahr bis 2035 (BHP: 2,6 % p.a., Wood Mackenzie: ~2,2 % p.a., +24 % bis 2035). Das klingt nicht nach viel — aber gleich wird die Zahl wichtig, wenn wir sie gegen das Angebot legen.
Seit 1990 wurden 239 bedeutende Kupfervorkommen entdeckt (Schwelle: mindestens 500.000 Tonnen enthaltenes Kupfer, S&P Global Market Intelligence, Nov. 2024). Und von diesen 239 Funden stammen gerade mal 14 aus dem letzten Jahrzehnt. Noch schärfer: In den letzten fünf Jahren gab es nur eine Handvoll wirklich großer Neuentdeckungen. Die leicht auffindbaren, oberflächennahen Vorkommen sind längst in Produktion.
In den frühen Neunzigern hattest du im Schnitt rund 1,5 % Kupfer im Gestein. Heute liegt der globale Durchschnitt bei 0,6 bis 0,7 % — ein Rückgang von rund 40 % seit 1991 (Quelle: BHP Insights; Benchmark Mineral Intelligence via Investing News Network). Das ist kein Kurzzeit-Trend, das ist ein 35-Jahres-Rückgang. Praktisch heißt das: Du musst fast doppelt so viel Gestein bewegen, um dieselbe Menge Kupfer rauszuholen. Mehr Energie, mehr Kosten, weniger Metall.
Sagen wir, du findest heute ein neues Riesenvorkommen. Wie lange bis das erste Kilo Kupfer verkauft wird? Im Schnitt 17,9 Jahre — Exploration, Genehmigungen, Rechtsstreits, Bau (Quelle: S&P Global Market Intelligence; Minen mit Produktionsstart 2020–2023). Zum Vergleich: Vor rund zwanzig Jahren lag diese Vorlaufzeit noch bei ca. 12,7 Jahren. Sie wird also länger, nicht kürzer.
Kupfer kommt aus wenigen Ländern. Chile allein liefert rund 23 % der globalen Minenproduktion, der Kongo ist mittlerweile Nummer zwei mit ca. 14–15 %, Peru rund 11 %, China rund 8 %. Die Top-5-Produzenten machen ungefähr 70 % der Weltproduktion aus (Quelle: USGS Mineral Commodity Summaries 2025). Ein Streik in Chile, eine Mine die stillgelegt wird — und ein spürbarer Teil des Weltangebots wackelt.
Wichtig dabei: China fördert nur 8 % aus dem Boden, aber verarbeitet rund 45 % des raffinierten Kupfers der Welt. 2024 verarbeitete China 13,6 von 28 Mt globalem Raffinadekupfer (Quelle: Shanghai Metal Market; Wood Mackenzie). Fördern und Verarbeiten sind zwei verschiedene Landkarten — beide konzentriert.
Nachfrage wächst mit rund 2 % pro Jahr, Angebot mit rund 1 % pro Jahr. Zwei Prozent gegen ein Prozent klingt nach kleinen Zahlen. Aber wenn sich diese Schere zehn, fünfzehn Jahre lang öffnet, entsteht daraus eine gewaltige physische Lücke.
Genau so kommt die Internationale Energieagentur auf ihre Zahl: Alle Minen, die heute laufen oder gebaut werden, decken nur rund 70 % der Nachfrage im Jahr 2035. Rund 30 % sind offen (Quelle: IEA 2025, bestätigt via S&P Global Commodity Insights). Die Mengenlücke liegt laut S&P Global bei etwa 7,4 Millionen Tonnen bis 2035 — mehr als Chile heute im ganzen Jahr fördert.
Mehr zum Thema: Rohstoff-Superzyklus Master-Guide · Mining-Aktien Übersicht
Die Bergbau-Riesen sehen dieselbe Lücke. Und weil neu bauen fast zwei Jahrzehnte dauert, machen sie das Naheliegende: Sie kaufen sich fertiges Kupfer — durch Übernahmen. Das erklärt eine Konsolidierungswelle, die es so lange nicht gab.
Hier ist der ehrliche Teil: Wo stecke ich selbst drin. Live-Daten aus meinem Depot bei Trade Republic und Scalable Capital, abgerufen über Parqet. Das ist keine Kaufempfehlung — ich zeige, wie ich die These selbst umgesetzt habe, mit Gewinnen und mit einem Minus.
| Name | Typ | Anteile | Einstand (Ø) | Einstandswert | Aktueller Wert | P&L % | Dividende (netto) |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Jiangxi Copper | Kupfer Pure-Play (China) | 40 | 1,74 € | 69,41 € | 144,00 € | +104,6 % | 3,88 € |
| BHP Group | Diversified, Kupfer (Escondida) | 18,19* | 22,91 € | 416,74 € | 656,18 € | +56,5 % | 39,46 € |
| Rio Tinto | Diversified, Kupfer (Oyu Tolgoi) | 11 | 61,57 € | 677,25 € | 997,30 € | +46,5 % | 59,87 € |
| Anglo American | Diversified → Anglo-Teck Fusion | 7,52 | 29,42 € | 221,31 € | 313,33 € | +41,1 % | 1,96 € (Div. reduziert) |
| Glencore | Kupfer + Trading | 93 | 5,25 € | 488,42 € | 564,51 € | +10,3 % | 53,10 € |
| Vale | Eisenerz-dominiert, wachsende Kupfer-Sparte | 107 | 9,17 € | 981,68 € | 1.330,01 € | +34,2 % | 101,81 € |
| Central Asia Metals | Kupfer/Zink Kasachstan | 499 | 1,81 € | 905,28 € | 813,37 € | −10,6 % | 36,68 € |
| Cluster gesamt | 3.760,09 € | 4.818,70 € | +26,7 % | 296,76 € Dividenden | |||
* BHP am ~15.07.2026 von 15 auf 18,19 Stk aufgestockt. Quelle: Parqet (Trade Republic + Scalable Capital). Stand 16.07.2026. Keine Anlageberatung.
Bei den Fundamentaldaten und Bewertungen nutze ich InvestingPro — Fair Value, Analysten-Kursziele, Finanz-Gesundheit und SWOT an einer Stelle. Ehrliche Einschätzung für BHP beispielsweise: InvestingPro zeigt einen fairen Wert, der leicht unter dem aktuellen Kurs liegt. BHP ist nach dem Lauf nicht mehr billig. Ich habe dennoch aufgestockt — wegen der langfristigen Kupfer-These, nicht wegen eines Schnäppchens.
Für Bewertung, Fair Value und Dividendensicherheit nutze ich InvestingPro. Über meinen Link gibt es dauerhaft 15 % — aktuell zusätzlich ein befristeter Sommer-Sale bis 31.07.2026.
Zu InvestingPro (−15 % + Sommer-Sale) → *Werbung/Affiliate*Ich bekomme eine Provision, wenn du über meinen Link kaufst. Für dich wird es günstiger.
Wenn du dich für das Kupfer-Thema interessierst, gibt es grundlegend zwei Ansätze:
Reine Kupfer-Zykliker (Southern Copper, Freeport-McMoRan, Antofagasta, Jiangxi Copper): Hoher Hebel auf den Kupferpreis, stark schwankend, dünne Dividende. Du kaufst den Zyklus-Aufschlag — nicht die Ausschüttung. Wenn der Kupferpreis steigt, laufen diese Namen deutlich besser als Diversifizierte.
Diversifizierte Riesen (BHP, Rio Tinto, Glencore): Ruhiger, breiter aufgestellt, ordentliche Dividenden. Kupfer ist hier ein Teil des Kuchens, nicht der ganze Kuchen. Dafür schläft man ruhiger — der Eisenerz-Cashflow von BHP puffert Kupfer-Schwächephasen ab.
Die langfristige Knappheit halte ich für real. Aber der Weg dahin ist ruppig, nicht geradlinig. Wer Kupfer-Aktien kauft, muss Schwankungen aushalten.
Die Nachfrage nach Kupfer steigt strukturell — E-Autos, Stromnetze, Rechenzentren. Das Angebot kommt nicht hinterher — keine neuen Funde, fallender Erzgehalt, 18 Jahre bis eine Mine steht. Daraus rechnet die Energieagentur eine Lücke von rund 30 % bis 2035. Und die Riesen der Branche kaufen sich lieber gegenseitig, als neu zu bauen.
Für mich ist Kupfer damit einer der überzeugendsten Hard-Asset-Cases des Jahrzehnts. Ich bin selbst mit sieben kupfer-nahen Namen investiert — insgesamt rund 3.760 Euro Einstandswert, aktuell rund 4.820 Euro Wert, gut 27 % im Plus plus knapp 300 Euro Dividenden. Mit Gewinnen und mit einem ehrlichen Minus bei Central Asia Metals.
MB Earnings Insider
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