Die vergangene Woche (KW13) hat die Eskalation der Vorwoche nochmals übertroffen: Die Straße von Hormuz wurde teilweise gesperrt, Brent Crude ist auf 112 US-Dollar gestiegen – der höchste Stand seit 2022 – und der US Supreme Court hat in einer historischen Entscheidung Teile der amerikanischen Zollpolitik gekippt. In diesem Wochenrückblick ordne ich die wichtigsten Entwicklungen für euch ein – als Hard-Asset-Investor mit Fokus auf Energie, Shipping und Dividenden.

$112 Brent Crude ($/bbl)
Teilsperrung Straße von Hormuz
Zölle gekippt US Supreme Court
+3,7% Brent (Woche)

1. Hormuz-Krise: Straße von Hormuz teilweise gesperrt

Die Lage im Überblick

Die Iran-Eskalation aus KW12 hat sich in KW13 weiter verschärft. Iranische Revolutionsgarden haben am Dienstag zwei Tanker im westlichen Teil der Straße von Hormuz aufgebracht und zeitweise den Schiffsverkehr in einer der beiden Fahrrinnen blockiert. Mehrere Reedereien – darunter Frontline und Euronav – haben ihre Tanker temporär aus der Region abgezogen. Die US Navy hat eine zweite Carrier Strike Group in den Persischen Golf verlegt. Es handelt sich um die schwerste Blockade des Hormus-Korridors seit 1988.

Die Straße von Hormuz ist der Nerv des globalen Ölmarktes: Rund 21 Millionen Barrel pro Tag fließen durch diesen Engpass – etwa 21% der weltweiten Ölproduktion. Eine auch nur teilweise Sperrung sendet Schockwellen durch den gesamten Energiemarkt. Versicherungsprämien für Tanker im Persischen Golf sind auf Rekordniveau explodiert, und mehrere Reedereien leiten ihre Schiffe bereits über das Kap der Guten Hoffnung um.

Meine Einschätzung: Die Teilsperrung von Hormuz ist ein Game-Changer für den Tanker-Markt. Jeder Tag, an dem Schiffe umgeleitet werden, bindet globale Tonnage und treibt die Raten exponentiell nach oben. Für Tanker-Aktien wie Frontline und Scorpio Tankers ist das ein absolutes Traumszenario – die aktuellen Spot-Raten von 95.000$/Tag bedeuten annualisierte Einnahmen weit über dem, was im aktuellen Aktienkurs eingepreist ist.

2. Brent bei 112$ – Höchster Stand seit 2022

Die Preisdynamik

112$ für Brent Crude markiert den höchsten Stand seit Juni 2022. In nur zwei Wochen ist der Ölpreis um über 16% gestiegen – von 96$ vor der Iran-Eskalation auf das aktuelle Niveau. Die Risikoprämie auf Öl hat sich strukturell erhöht, und selbst bei einer Deeskalation dürfte der Preis nicht mehr auf das Vor-Krisen-Niveau zurückfallen.

Für Upstream-Produzenten bedeutet 112$ Brent Rekord-Cashflows. Die Break-even-Kosten der meisten großen Produzenten liegen bei 40–55$ pro Barrel – das heißt, bei 112$ Brent fließen 57–72$ Marge pro Barrel direkt in den Free Cashflow. Das hat unmittelbare Auswirkungen auf Dividenden und Aktienrückkäufe:

Meine Einschätzung: 112$ Brent ist für uns als Energieinvestoren das beste Szenario. Die Kombination aus struktureller Unterversorgung (CAPEX-Lücke), OPEC+-Disziplin und geopolitischer Risikoprämie schützt den Preis nach unten ab. Selbst bei Deeskalation sehe ich den Floor bei 95–100$ – deutlich über dem Vor-Krisen-Niveau. Devon Energy und Equinor bleiben meine Top-Picks im Upstream-Bereich.

3. Supreme Court kippt Zölle – Historische Entscheidung

Was ist passiert?

Der US Supreme Court hat am Donnerstag in einer 6-3-Entscheidung wesentliche Teile der präsidentiellen Zollbefugnisse für verfassungswidrig erklärt. Konkret wurde geurteilt, dass Pauschalzölle ohne Zustimmung des Kongresses gegen die Commerce Clause verstoßen. Betroffen sind insbesondere die Zölle auf chinesische Importe, Stahl und Aluminium, die seit 2018 unter Section 232 und Section 301 erhoben werden.

Diese Entscheidung hat weitreichende Implikationen für den Welthandel und die Märkte:

Meine Einschätzung: Die Supreme-Court-Entscheidung ist langfristig ein positiver Katalysator für den Welthandel und damit für Shipping-Aktien. Kurzfristig erzeugt sie politische Unsicherheit – der Kongress muss jetzt eine neue Handelsgesetzgebung verabschieden. Für uns als Shipping-Investoren ist das aber ein klarer Tailwind: Mehr Handel = mehr Tonnage-Nachfrage = höhere Raten.

4. Marktreaktion: Indizes, Gold und Shipping-Raten

Die Woche in Zahlen

Die Märkte wurden in KW13 von zwei gegenläufigen Kräften geprägt: Die Hormuz-Krise drückte den breiten Markt, während die Supreme-Court-Entscheidung zu den Zöllen für Entlastung bei Handels- und Konsumwerten sorgte. Hard-Asset-Sektoren blieben die klaren Gewinner.

Meine Einschätzung: Die Sektorrotation in Hard Assets beschleunigt sich. Während der breite Markt seit Jahresbeginn im Minus liegt, haben Energie, Shipping und Gold zweistellige Gewinne erzielt. Das bestätigt unsere These: In einem Umfeld steigender Rohstoffpreise, geopolitischer Spannungen und struktureller Inflation sind Hard Assets die richtige Allokation. Der Dividendenrechner zeigt euch, was 112$ Brent konkret für euren Cashflow bedeutet.

5. Ausblick KW14 – Worauf ich achte

Die kommende Woche wird geprägt sein von:

Mein Key-Takeaway der Woche: KW13 hat gezeigt, dass geopolitische Risiken keine theoretischen Übungen sind – sie haben reale Auswirkungen auf Preise, Cashflows und Dividenden. Die Kombination aus Hormuz-Krise, 112$ Brent und dem Zoll-Urteil des Supreme Court schafft ein einzigartiges Umfeld für Hard-Asset-Investoren. Bleibt positioniert, nutzt Rücksetzer zum Nachkaufen, und prüft eure Positionen mit dem YOC-Rechner.
Rechtlicher Hinweis: Dieser Artikel dient ausschließlich Informations- und Bildungszwecken. Er stellt keine Anlageberatung, Anlageempfehlung oder Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren dar. Alle Angaben ohne Gewähr.

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