Die vergangene Woche (KW13) hat die Eskalation der Vorwoche nochmals übertroffen: Die Straße von Hormuz wurde teilweise gesperrt, Brent Crude ist auf 112 US-Dollar gestiegen – der höchste Stand seit 2022 – und der US Supreme Court hat in einer historischen Entscheidung Teile der amerikanischen Zollpolitik gekippt. In diesem Wochenrückblick ordne ich die wichtigsten Entwicklungen für euch ein – als Hard-Asset-Investor mit Fokus auf Energie, Shipping und Dividenden.
1. Hormuz-Krise: Straße von Hormuz teilweise gesperrt
Die Lage im Überblick
Die Iran-Eskalation aus KW12 hat sich in KW13 weiter verschärft. Iranische Revolutionsgarden haben am Dienstag zwei Tanker im westlichen Teil der Straße von Hormuz aufgebracht und zeitweise den Schiffsverkehr in einer der beiden Fahrrinnen blockiert. Mehrere Reedereien – darunter Frontline und Euronav – haben ihre Tanker temporär aus der Region abgezogen. Die US Navy hat eine zweite Carrier Strike Group in den Persischen Golf verlegt. Es handelt sich um die schwerste Blockade des Hormus-Korridors seit 1988.
Die Straße von Hormuz ist der Nerv des globalen Ölmarktes: Rund 21 Millionen Barrel pro Tag fließen durch diesen Engpass – etwa 21% der weltweiten Ölproduktion. Eine auch nur teilweise Sperrung sendet Schockwellen durch den gesamten Energiemarkt. Versicherungsprämien für Tanker im Persischen Golf sind auf Rekordniveau explodiert, und mehrere Reedereien leiten ihre Schiffe bereits über das Kap der Guten Hoffnung um.
- Direkte Auswirkung: Brent Crude stieg von 108$ auf 112$ – ein weiterer Anstieg von knapp 4% nach dem 12%-Sprung der Vorwoche
- Tanker-Raten: VLCC-Raten sind auf über 95.000$/Tag gestiegen – ein Niveau, das zuletzt während der COVID-Verwerfungen 2020 erreicht wurde
- Versicherungsprämien: War Risk Premiums haben sich gegenüber der Vorwoche nochmals verdoppelt
- LNG-Spot: Asiatische LNG-Spotpreise bei 16,20$/mmBtu – ein Plus von 12% gegenüber Vorwoche
2. Brent bei 112$ – Höchster Stand seit 2022
Die Preisdynamik
112$ für Brent Crude markiert den höchsten Stand seit Juni 2022. In nur zwei Wochen ist der Ölpreis um über 16% gestiegen – von 96$ vor der Iran-Eskalation auf das aktuelle Niveau. Die Risikoprämie auf Öl hat sich strukturell erhöht, und selbst bei einer Deeskalation dürfte der Preis nicht mehr auf das Vor-Krisen-Niveau zurückfallen.
Für Upstream-Produzenten bedeutet 112$ Brent Rekord-Cashflows. Die Break-even-Kosten der meisten großen Produzenten liegen bei 40–55$ pro Barrel – das heißt, bei 112$ Brent fließen 57–72$ Marge pro Barrel direkt in den Free Cashflow. Das hat unmittelbare Auswirkungen auf Dividenden und Aktienrückkäufe:
- Upstream-Gewinner: Devon Energy (+4,8% WoW), Equinor (+5,2%), Petrobras (+6,1%), Aker BP (+3,9%)
- Sonderdividenden: Bei anhaltend hohen Preisen sind Sonderdividenden in Q2 nahezu sicher – Devon Energy und Equinor haben in der Vergangenheit ab 90$ Brent Sonderdividenden ausgeschüttet
- Shipping-Profiteure: Höhere Ölpreise + längere Routen = perfekter Sturm für Tanker-Raten
- Verbraucher-Belastung: Benzinpreise in Europa über 2,00€/Liter – politischer Druck auf SPR-Freigaben steigt
3. Supreme Court kippt Zölle – Historische Entscheidung
Was ist passiert?
Der US Supreme Court hat am Donnerstag in einer 6-3-Entscheidung wesentliche Teile der präsidentiellen Zollbefugnisse für verfassungswidrig erklärt. Konkret wurde geurteilt, dass Pauschalzölle ohne Zustimmung des Kongresses gegen die Commerce Clause verstoßen. Betroffen sind insbesondere die Zölle auf chinesische Importe, Stahl und Aluminium, die seit 2018 unter Section 232 und Section 301 erhoben werden.
Diese Entscheidung hat weitreichende Implikationen für den Welthandel und die Märkte:
- Handelsvolumen: Ein Rückgang der Zölle würde die globalen Handelsströme beleben – positiv für Shipping und Container-Raten
- Inflation: Niedrigere Importpreise könnten die Inflation dämpfen – positiv für die Fed-Politik und potenzielle Zinssenkungen
- China-Aktien: Der Hang Seng reagierte am Freitag mit +3,2% – chinesische Exporteure profitieren
- US-Stahlproduzenten: Unter Druck – Cleveland-Cliffs und US Steel verloren jeweils über 5%
- Container-Shipping: Hapag-Lloyd und ZIM reagierten positiv – höhere Handelsvolumina = höhere Containerraten
4. Marktreaktion: Indizes, Gold und Shipping-Raten
Die Woche in Zahlen
Die Märkte wurden in KW13 von zwei gegenläufigen Kräften geprägt: Die Hormuz-Krise drückte den breiten Markt, während die Supreme-Court-Entscheidung zu den Zöllen für Entlastung bei Handels- und Konsumwerten sorgte. Hard-Asset-Sektoren blieben die klaren Gewinner.
- S&P 500: -1,8% (WoW) – besser als KW12 (-4,2%), aber weiterhin unter Druck durch Energiekosten-Sorgen
- DAX: -0,9% – relativ robust dank Exportfantasie nach Zoll-Urteil
- Gold: $3.240/oz (+1,9%) – neues Allzeithoch, getrieben durch geopolitische Unsicherheit und Safe-Haven-Flows
- Tanker-Aktien: Frontline (+12,5%), Scorpio Tankers (+14,8%), International Seaways (+11,3%) – beste Woche des Jahres
- Baltic Dry Index: +8,2% – steigende Nachfrage nach Umweg-Routen treibt auch Bulk-Raten
- Mining: Barrick Gold (+7,3%), Newmont (+6,1%) – Gold-Miner profitieren vom ATH bei Gold
5. Ausblick KW14 – Worauf ich achte
Die kommende Woche wird geprägt sein von:
- Hormuz-Entwicklung: Wird die Blockade aufrechterhalten oder gibt es diplomatische Fortschritte? Jede Änderung kann den Ölpreis um 5–10$ bewegen
- OPEC+ Reaktion: Bisher keine Sondersitzung angekündigt – aber bei 112$ Brent steigt der Druck, die Förderkürzungen zu lockern
- US-Kongress Zollgesetzgebung: Nach dem Supreme-Court-Urteil muss der Kongress eine neue gesetzliche Grundlage für Handelszölle schaffen – die politische Debatte beginnt sofort
- US-Arbeitsmarktdaten (Freitag): NFP-Report – ein starker Arbeitsmarkt würde die Zinssenkungshoffnungen weiter dämpfen
- Q1-Earnings-Saison: Die ersten großen Banken berichten – wichtig für die Marktstimmung
- Gold: Neues ATH bei $3.240 – bei anhaltender Unsicherheit ist $3.300+ möglich
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