Kohle ist das „Auslaufmodell", das niemand mehr im Depot haben will. Genau deshalb finde ich es spannend. Während alle über das Ende reden, finanziert kaum noch jemand neue Minen — und gleichzeitig hält die Nachfrage in Asien hartnäckig länger durch als die Schlagzeilen vermuten lassen. Das Ergebnis: ein verschmähter Sektor, niedrig bewertet, der jede Menge Free Cashflow als Dividende ausschüttet.

Kurzantwort: Die Kohle-These ist keine Wette auf weiter steigende Mengen — die globale Nachfrage hat laut IEA 2024 mit rund 8,8 Mrd. Tonnen ein Allzeithoch erreicht und liegt seitdem auf einem Plateau. Die These ist eine Angebots- und Cashflow-These: Banken und Versicherer finanzieren wegen ESG-Druck kaum noch neue Minen, der Kapazitäts-Zubau fiel 2024 auf ein Jahrzehnt-Tief, Minen laufen aus. Trifft das auf eine zähe Asien-Nachfrage (Strom in Indien/Indonesien) und Met-Kohle für Stahl, bleiben die Cashflows der Förderer hoch — und fließen mangels Wachstums-Investitionen als hohe Dividende an die Aktionäre. Marcos Angle: antizyklisches Hard-Asset-Income-Setup. Keine Anlageberatung.
Bevor wir über „Kohle" reden: Es gibt zwei grundverschiedene Märkte, die nur den Namen teilen. Wer sie in einen Topf wirft, versteht weder die Preise noch die Aktien.
Wird verbrannt, um Strom zu erzeugen. Benchmark ist der Newcastle-Preis (Australien, Exporthafen für Asien). Nachfrage hängt am Stromhunger von Indien, Indonesien, China und Südostasien.
FaktNewcastle-Thermalkohle notierte am 12.06.2026 bei rund 149 USD/t und damit gut 41 % über dem Vorjahr; zuletzt zeitweise über 150 USD/t — gestützt u. a. durch indonesische Exportbeschränkungen und saisonale Sommer-Stromnachfrage.
Wird zu Koks verarbeitet — unverzichtbar für die Stahlerzeugung im Hochofen. Benchmark ist Premium Hard Coking Coal (PLV HCC) FOB Australien. Nachfrage hängt an Stahl, Bau und Infrastruktur.
FaktPremium Hard Coking Coal lag Mitte 2026 bei rund 235–245 USD/t (Mai-Schnitt ~239 USD/t); die für 2026 erwartete Handelsspanne reicht von etwa 140 bis 245 USD/t — abhängig von Stahlzyklen und chinesischer Nachfrage.
TheseMet-Kohle hat die bessere Story: Es gibt schlicht keinen skalierbaren, bezahlbaren Ersatz für Koks im klassischen Hochofen. „Grüner Stahl" über Wasserstoff-Direktreduktion ist real, aber teuer und über Jahrzehnte noch eine Nische. Thermalkohle ist politisch verwundbarer — aber genau hier ist auch der Pessimismus (und damit die Bewertung) am extremsten.
Das hier ist das Herz der Kohle-These — und es ist eine Angebots-Geschichte, keine Nachfrage-Story.
MarktinterpretationÜber ein Jahrzehnt ESG- und Divestment-Druck hat dazu geführt, dass große Banken, Versicherer und Pensionsfonds Kohle gemieden haben. Neue Minen lassen sich kaum noch finanzieren — und wer keine Versicherung bekommt, baut auch keine Mine.
Das Paradoxe daran: Genau die Maßnahmen, die Kohle „abwickeln" sollen, machen das verbliebene Angebot knapper und die Cashflows der bestehenden Förderer wertvoller. Wenn niemand neue Kapazität baut, aber die Nachfrage nicht im gleichen Tempo verschwindet, stützt das die Preise — und damit die Margen der Unternehmen, die noch fördern dürfen.
Merksatz: Niemand will es haben — und genau das macht den Cashflow für die, die es halten.
Knappes Angebot + zähe Nachfrage + keine Wachstums-Capex = Geld geht an die Aktionäre statt in den Boden.
Die zweite Hälfte der These: Die Nachfrage stirbt langsamer, als die Schlagzeilen behaupten. Wichtig — und das sage ich ehrlich: Das ist kein Mengen-Wachstums-Argument für die Welt insgesamt.
FaktDie globale Kohlenachfrage erreichte 2024 mit rund 8,8 Mrd. Tonnen ein Allzeithoch (+1,5 % ggü. 2023), getrieben von China, Indien und Indonesien. Die kohlebefeuerte Stromproduktion lag mit rund 10.700 TWh ebenfalls auf Rekordniveau (IEA).
FaktDie IEA erwartet für 2025/2026 ein Plateau — leichter Anstieg 2025, marginaler Rückgang 2026 auf knapp unter das 2024-Niveau, danach möglicherweise ein leichter Rückgang bis 2030. Es geht also nicht um weiter steigende Welt-Mengen.
FaktIndiens Kohleverbrauch soll 2026 um 2,5 % auf rund 1,35 Mrd. Tonnen steigen (IEA). Strom für 1,4 Milliarden Menschen, wachsende Industrie, Klimaanlagen in immer heißeren Sommern — das fällt nicht über Nacht weg. Indonesien, Vietnam und weite Teile Südostasiens hängen ebenfalls weiter an der Kohleverstromung.
MarktinterpretationDer explodierende Strombedarf von KI-Rechenzentren trifft auf Netze, die kurzfristig grundlastfähige Erzeugung brauchen. In den USA trug 2025 unter anderem ein Gas-zu-Kohle-Switch in der Stromerzeugung zum Nachfrageanstieg bei (IEA). Kohle ist nicht der Gewinner dieser Story — aber sie verschwindet langsamer, wenn der Strombedarf schneller wächst als der saubere Zubau.
TheseSolange Infrastruktur, Bau und Industrialisierung in den Schwellenländern laufen, braucht es Stahl aus dem Hochofen — und damit Koks. Die Met-Kohle-Nachfrage ist weniger „grün ablösbar" als Thermalkohle und damit die strukturell robustere Seite des Marktes.
Ich trenne das bewusst, damit niemand die These mit Gewissheit verwechselt:
Fakt (belegt)
These (meine Schlussfolgerung)
MarktinterpretationDas größte Gegenargument muss man ernst nehmen: Wenn der Energiewende-Zubau (Solar, Wind, Speicher, Kernkraft) und die Effizienz schneller laufen als gedacht, kippt die Thermalkohle-Nachfrage früher. Dann verschiebt sich die These von „struktureller Knappheit" zu „Endspiel mit hoher Schluss-Dividende". Beides kann für einen geduldigen Income-Investor funktionieren — aber es ist ein anderes Spiel.
Ich kaufe keine Kohle-Explorer und keine Hoffnungswerte. Mein Ansatz bei Kohle ist derselbe wie überall: etablierte Förderer mit echtem Free Cashflow, niedriger Verschuldung und Kapitaldisziplin — und idealerweise einer Ausschüttungspolitik, die den Cashflow direkt an die Aktionäre durchreicht statt ihn in Wachstum zu verbrennen, das in einem schrumpfenden Markt ohnehin keiner will.
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⚠️ Keine Anlageberatung. Eigene Meinung & Analyse. Rohstoffpreise und Dividenden sind volatil — Kapitalverlust möglich.
Ein qualitativer Überblick über die Förderer, die in meiner These eine Rolle spielen — jeweils ein Satz zum Met- vs. Thermal-Exposure. Bewusst ohne Quartalszahlen: Die Detailanalysen findest du in den verlinkten Blogposts, die volle Tiefe (Zahlen, Dividenden-Sicherheit, Bewertung) gibt es im Premium-Newsletter.
TheseDie Kombination aus reinen Förderern (maximales Kohle-Upside, maximales Sektor-Risiko) und einem diversifizierten Konzern wie Glencore ist für mich der pragmatische Mittelweg — konzentriertes Income dort, wo ich von der These überzeugt bin, plus ein breiteres Standbein.
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Langfristig dürfte die globale Kohlenachfrage zurückgehen — die IEA sieht nach dem 2024er-Allzeithoch ein Plateau und ab 2030 einen möglichen leichten Rückgang. Meine These ist deshalb bewusst keine Wachstums-Wette, sondern eine Angebots- und Cashflow-These: Solange das Angebot durch fehlende Finanzierung schneller knapp wird als die Nachfrage fällt, bleiben die Cashflows der Förderer hoch — und werden mangels Wachstums-Investitionen als Dividende ausgeschüttet. „Sterbender Markt" und „hohe Ausschüttung" schließen sich nicht aus.
Thermalkohle (Steam Coal) wird verbrannt, um Strom zu erzeugen — Benchmark ist der Newcastle-Preis. Kokskohle bzw. Met-Kohle (metallurgische Kohle) wird zu Koks verarbeitet und ist für die Stahlerzeugung im Hochofen nötig — Benchmark ist Premium Hard Coking Coal. Met-Kohle gilt als strukturell robuster, weil es kurz- bis mittelfristig keinen skalierbaren, günstigen Ersatz für Koks im Hochofen gibt.
Weil der Druck das Angebot verknappt: Wenn Banken, Versicherer und Investoren neue Kohleprojekte meiden, wird kaum neue Kapazität gebaut (2024 fiel der Zubau auf ein Jahrzehnt-Tief). Bestehende Förderer mit laufenden Minen profitieren — sie konkurrieren mit weniger neuem Angebot und können ihren Free Cashflow ausschütten, statt ihn in Wachstum zu stecken, das im Sektor niemand mehr finanzieren würde. Das ist die antizyklische Logik hinter der These.
Das hängt direkt am Kohlepreis und ist deshalb volatil. Förderer wie Thungela oder Whitehaven schütten in Boom-Phasen sehr hohe Anteile ihres Cashflows aus — in schwachen Phasen sinken die Dividenden entsprechend. Wer hier investiert, sollte schwankende Ausschüttungen einkalkulieren und auf Bilanzstärke achten. Konkrete Quartalszahlen, Coverage und Bewertung einzelner Titel behandle ich nicht hier auf der Website, sondern in der Tiefe im Premium-Newsletter.
Erstens ein schnellerer Nachfrage-Rückgang, falls Solar, Wind, Speicher und Kernkraft samt Effizienz rascher zubauen als erwartet. Zweitens Kohlepreis-Volatilität (China-Konjunktur, Stahlzyklus, Wetter, Exportpolitik einzelner Länder). Drittens politische und regulatorische Risiken — Exportabgaben, Royalties, Genehmigungen. Viertens das ESG-/Finanzierungsrisiko, das zwar das Angebot stützt, aber auch einzelne Unternehmen unter Druck setzen kann. Kurzfristig können die Kurse heftig schwanken.
Sehr viel: Thermal- und Met-Kohle werden in großen Mengen per Schiff transportiert — vor allem auf Bulkern Richtung Asien. Hohe Kohle-Exportvolumen stützen die Frachtraten im Dry-Bulk-Segment. Ein robuster Kohlehandel ist damit auch ein indirekter Rückenwind für Shipping-Aktien.
Mitte 2026 zeigt sich das Bild der These überraschend deutlich: Thermalkohle (Newcastle) handelt rund 41 % über dem Vorjahr und zeitweise über 150 USD/t — gestützt durch indonesische Exportbeschränkungen und kräftige saisonale Stromnachfrage. Met-Kohle bewegt sich in einer breiten Spanne, zuletzt um 240 USD/t, getrieben von Stahl- und Restocking-Zyklen in Asien. Beide Preise sind tagesvolatil — Momentaufnahmen, keine Garantien.
Parallel verschärft sich die Angebotsseite: Der Kapazitäts-Zubau neuer Minen fiel 2024 auf den niedrigsten Stand seit einem Jahrzehnt, die Vorlaufzeiten für neue Projekte sind auf rund 18 Jahre gestiegen, und ab 2026 ziehen weitere Großbanken ihre Finanzierung für Thermalkohle-lastige Unternehmen zurück. Das ist genau das Setup, das die These beschreibt: Das Angebot wird verlässlicher knapp als die Nachfrage fällt.
Für Income-Investoren: Verschmähter Sektor, niedrige Bewertung, hohe Free-Cashflow-Ausschüttung. Wer Kohle-Exposure sucht, findet die Einzelanalysen im Mining-Aktien-Hub — die volle Tiefe zu einzelnen Quartalen bleibt dem Premium-Newsletter vorbehalten.
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