Das KGV (Kurs-Gewinn-Verhaeltnis) = Aktienkurs / Gewinn je Aktie (EPS). KGV 10 bedeutet: der Markt zahlt das 10-fache des Jahresgewinns. Niedrig-KGV <10 = guenstig (typisch Rohstoffe, Zykliker). Hoch-KGV >25 = teuer (typisch Wachstumsaktien). Bei Shipping/Mining oft irrelevant wegen Gewinnvolatilitaet — besser: EV/EBITDA oder FCF-Yield.
Das KGV ist ein relatives Bewertungsmaß: Es sagt für sich allein wenig aus, wird aber aussagekräftig im Vergleich – mit dem historischen KGV derselben Aktie, mit Wettbewerbern derselben Branche oder mit dem Gesamtmarkt. Genau deshalb ist das KGV für Einsteiger einerseits eine ideale erste Orientierung, andererseits eine der am häufigsten falsch interpretierten Kennzahlen überhaupt.
Das Kurs-Gewinn-Verhältnis wurde maßgeblich durch Benjamin Graham, den Begründer des Value Investing und Lehrer von Warren Buffett, populär. Graham nutzte das KGV in seinem Klassiker „The Intelligent Investor" als zentrales Werkzeug, um über- und unterbewertete Aktien zu identifizieren. Er warnte allerdings ausdrücklich davor, das KGV isoliert zu betrachten – ein Hinweis, der bei Hard-Asset- und Dividendenaktien bis heute entscheidend ist.
Die Berechnung des Kurs-Gewinn-Verhältnisses ist denkbar einfach. Es gibt zwei gleichwertige Wege:
Der Gewinn je Aktie (englisch: Earnings per Share, EPS) ergibt sich aus dem Jahresüberschuss geteilt durch die Anzahl der ausstehenden Aktien. Beide Varianten führen zum identischen Ergebnis – die erste ist für Privatanleger meist greifbarer, weil Kurs und EPS direkt aus jedem Aktien-Profil ablesbar sind.
Die wohl häufigste Frage lautet: Welches KGV ist gut? Eine pauschale Antwort gibt es nicht – ein „gutes" KGV hängt entscheidend von der Branche, dem Gewinnwachstum und dem Zinsumfeld ab. Als grobe historische Faustregel gilt:
| KGV-Bereich | Einordnung (Faustregel) | Typisch für |
|---|---|---|
| unter 10 | Optisch günstig – oft Zykliker im Hoch oder Value-Falle | Mining, Shipping, Öl & Gas, Banken |
| 10 – 15 | Moderate, oft faire Bewertung | Reife Dividendenwerte, Industrie |
| 15 – 25 | Marktdurchschnitt bis leicht teuer | Breiter Markt (S&P 500, DAX) |
| über 25 | Wachstumsprämie eingepreist | Tech, Pharma, Wachstumsaktien |
Genau hier wird das KGV für Hard-Asset-Investoren tückisch. Bei stark zyklischen Branchen – Mining, Tanker-Shipping, Upstream-Öl & -Gas – verhält sich das KGV oft gegenläufig zur Intuition:
Ein anschauliches Beispiel: Ein Tanker-Reeder, der dank hoher Charterraten ein Rekordjahr fährt, kann auf ein KGV von 4 fallen. Wer hier blind „günstig" kauft, übersieht, dass die Spitzengewinne nicht nachhaltig sind – sobald die Raten normalisieren, halbiert sich der Gewinn und das KGV verdoppelt sich, ohne dass sich am Kurs etwas geändert hätte.
In der Praxis begegnen dir zwei Varianten des Kurs-Gewinn-Verhältnisses, die du nicht verwechseln solltest:
| Variante | Berechnungsgrundlage | Vorteil | Schwäche |
|---|---|---|---|
| Trailing-KGV (TTM) | Gewinn der letzten 12 Monate (Ist-Zahlen) | Faktenbasiert, nicht geschätzt | Blickt nur zurück |
| Forward-KGV | Erwarteter Gewinn der nächsten 12 Monate (Schätzung) | Zukunftsgerichtet | Analysten-Schätzung, fehleranfällig |
Für die Bewertung von Wachstumsaktien ist das Forward-KGV oft aussagekräftiger, weil künftige Gewinne entscheidend sind. Bei Zyklikern ist Vorsicht geboten: Analysten extrapolieren in Hochphasen häufig zu optimistisch, was das Forward-KGV künstlich attraktiv erscheinen lässt.
Eine wichtige Erweiterung des KGV ist die PEG-Ratio (Price/Earnings-to-Growth). Sie setzt das KGV ins Verhältnis zum erwarteten Gewinnwachstum:
Eine PEG-Ratio unter 1 gilt nach Peter Lynch als Hinweis auf eine attraktiv bewertete Wachstumsaktie. Ein Unternehmen mit KGV 20, das aber 25 % pro Jahr wächst (PEG 0,8), kann günstiger sein als ein Unternehmen mit KGV 10 und stagnierenden Gewinnen (PEG ist hier nicht sinnvoll berechenbar). Die PEG löst damit eine zentrale Schwäche des reinen KGV: Sie berücksichtigt die Wachstumsdynamik.
Für Dividendeninvestoren ist das KGV ein nützlicher, aber nachgeordneter Baustein. Wichtiger als ein niedriges KGV ist die Nachhaltigkeit der Ausschüttung. Eine Aktie mit niedrigem KGV und einer hohen, aber durch Free Cashflow nicht gedeckten Dividende ist gefährlicher als eine Aktie mit etwas höherem KGV und solider Ausschüttungsquote. Deshalb kombiniere ich das KGV in meiner Analyse immer mit:
Praxis-Tipp: Forward-KGV im Peer-Vergleich ziehe ich mir aus InvestingPro, statt das Trailing-KGV allein aus dem letzten Jahresbericht zu nehmen. (*Affiliate-Link — für dich ohne Mehrkosten.)
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